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Familienrecht

Vermögen

Der Zugewinn ist die Differenz zwischen dem Anfangsvermögen und dem Endvermögen eines Ehegatten. Der Stichtag für das Anfangsvermögen ist der Tag der standesamtlichen Trauung. Der Stichtag für das Endvermögen ist die Zustellung des Scheidungsantrags.

Viele Eheleute unterliegen dem Irrtum, dass bei einer Heirat automatisch alles gemeinsames Eigentum wird. Dem ist jedoch nicht so. Es wird nur das gemeinsam, was tatsächlich gemeinsam erworben wurde. In der Regel ist dies nur bei Immobilien möglich. So gehört z. B. eine Eigentumswohnung, die von beiden zusammen gekauft wird (das steht im Kaufvertrag) dann auch beiden zu ½ (das steht im Grundbuch).

Zugewinn ist, wie oben angegeben, die Differenz zwischen Anfangs- und Endvermögen.

Hat der Ehemann z. B. ein Anfangsvermögen von EUR 10.000,00 und ein Endvermögen von EUR 100.000,00, beträgt sein Zugewinn EUR 90.000,00.

Achtung: Es werden auch Schulden berücksichtigt, d. h. abgezogen. Kommt z. B. ein Ehegatte mit Schulden in die Ehe und hat ein Anfangsvermögen von EUR – 50.000,00 und am Ende keine Schulden mehr, so beträgt sein Zugewinn EUR 50.000,00.

Kommt er jedoch mit einem Vermögen von EUR 100.000,00 in die Ehe und hat am Ende keinen Cent mehr, so hat er während der Ehe einen Verlust gemacht. Dieser Verlust wird beim Zugewinnausgleich nicht ausgeglichen. Der Ehegatte wird so behandelt, als wenn er keinen Zugewinn erzielt hätte.

Das Anfangsvermögen ist das Vermögen, das jeder Ehegatte am Tag der standesamtlichen Trauung hat. Dazu gehören z. B. Guthaben auf einem Bausparkonto, eingezahlte Prämien in eine Lebensversicherung, ein Auto oder auch eine Eigentumswohnung.

Bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs ist das Anfangsvermögen zu indexieren. Haben die Ehegatten z. B. 2002 geheiratet und lassen sich heute scheiden, hat zwischenzeitlich eine Geldentwertung stattgefunden. Um den Wert des Anfangsvermögens 2002 mit dem des Endvermögens heute vergleichen zu können, muss das Anfangsvermögen indexiert werden. Das Anfangsvermögen wird mit dem Verbraucherpreis-Index multipliziert, der am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages gilt.

Dem Anfangsvermögen werden Schenkungen und Erbschaften von Eltern und Verwandten hinzugerechnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Zugewinnausgleich nur das ausgleichen soll, was gemeinsam erwirtschaftet wurde. Erbschaften oder Schenkungen werden nicht gemeinsam erwirtschaftet. Hier wird ein Kind von seinen Eltern oder von Verwandten begünstigt. Der Wert der Erbschaft wird ebenfalls indexiert und zwar mit dem Jahr, in dem sie gemacht wurde.

Wie unter „Zugewinn“ angegeben, gibt es auch ein negatives Endvermögen. Dies sind Schulden. Gelingt es einem Ehegatten während der Ehe mit Hilfe des anderen Ehegatten, diese Schulden zu tilgen, dann erzielt er auch dadurch einen Zugewinn.

Je höher das Anfangsvermögen ist, desto weniger Zugewinnausgleich muss ein Ehegatte dem anderen zahlen. Allerdings ist das Problem, dass das Anfangsvermögen bewiesen werden muss. Oft ist dies schwierig, gerade dann, wenn die Heirat 30 Jahre zurückliegt. Niemand macht sich die Mühe, Belege, z. B. über Bausparverträge oder den Wert von Lebensversicherungen oder gar Kontoauszüge so lange aufzuheben. Es ist jedoch immer sinnvoll, sich auf die Suche nach solchen Unterlagen zu machen. Auch helfen Bestätigungen von Eltern oder Verwandten. Es lohnt sich jedoch oft, hier so gut wie möglich zu suchen.

Das Endvermögen ist am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags festzustellen. Dies ist der Tag, an dem der Scheidungsantrag im Briefkasten des Antragsgegners landet. Zum Endvermögen gehören wie zum Anfangsvermögen Lebensversicherungen, Aktiendepots, Guthaben auf Girokonten, Immobilien oder Pkw.

Es ist zwar auch ein negatives Endvermögen denkbar. Hier gibt es jedoch keinen Verlustausgleich (siehe Zugewinn).

Der Ehegatte, der den höheren Zugewinn am Ende der Ehe erzielt hat, muss Zugewinnausgleich an den anderen bezahlen. Dazu muss zunächst der Zugewinn jedes Ehegatten einzeln ermittelt werden. Bezahlt werden muss jedoch nur die Hälfte der Differenz.

Hat z. B. die Ehefrau einen Zugewinn von EUR 100.000,00 und der Ehemann einen Zugewinn von EUR 200.000,00 gemacht, beträgt die Differenz EUR 100.000,00. Die Hälfte hiervon, nämlich EUR 50.000,00 muss dann der Ehemann an die Ehefrau als Zugewinnausgleich bezahlen.

Keiner muss jedoch mehr bezahlen, als er tatsächlich zur Verfügung hat. Der Zugewinnausgleich ist begrenzt auf das bei Ende der Ehe tatsächlich vorhandene Vermögen. Beruht der Zugewinn z. B. darauf, dass Schulden getilgt wurden und beträgt das Endvermögen EUR 0,00, dann findet ein Zugewinnausgleich nicht statt.

Manchmal versuchen Ehegatten im Trennungsjahr ihr Vermögen zu vermindern, damit sie, wenn der Scheidungsantrag zugestellt wird, kein (so hohes) Endvermögen haben. Sie verschenken ihr Geld oder verstecken es im Ausland. Dies sind sog. unredliche Zuwendungen. Sie werden beim Ausrechnen des Zugewinnausgleichs dem Endvermögen dessen, der versucht hat, sein Vermögen zu vermindern wieder hinzugerechnet.

„Erwischt“ wird der Unredliche dadurch, dass die Auskunft auch zum Vermögen am Tag der Trennung verlangt werden kann. Stellt sich dann heraus, dass zwischen dem Tag der Trennung und dem Tag der Zustellung des Scheidungsantrags Geld in nicht nachvollziehbarer Weise verschwunden ist, dann muss derjenige, der das Geld hat verschwinden lassen darlegen, was er mit dem Geld gemacht hat. Stellt sich heraus, dass der Geldverlust allein dem Ziel gedient hat, keinen oder weniger Zugewinnausgleich zahlen zu müssen, dann erfolgt die Zurechnung zugunsten des Zugewinnausgleichsberechtigten.

Wenn Sie mehr zum Thema Zugewinnausgleich erfahren möchten, wenden Sie sich an einen unserer erfahrenen Fachanwälte für Familienrecht.